Dankbar kamen die Pilger:innen am Samstagnachmittag am Kreuzberg an und wurden von weiteren Mitgliedern des Vereins empfangen und zur Basilika begleitet. Weitere zehn Pilger:innen des Vereins kamen mit der Familienwallfahrt der Familie Lainer von der Laubenbachmühle nach Mariazell. "Unsere Wallfahrtsroute wird seit 35 Jahren jedes Jahr gegangen", so Initiator Manfred Leiner.
Am Sonntag 19. Juli, kamen weitere Pilger:innen per Bus nach Mariazell und feierten mit dem Geistlichen Leiter des Vereins Dechant Christian Maresch und Regens Richard Tatzreiter die Festmesse in der Basilika. Insgesamt waren mehr als 100 Pilger:innen des Vereins mit dabei.

"Heute geht es im Evangelium um ein ganz wichtiges Thema: um das Reich Gottes. Mit diesem Gleichnis will Jesus uns sensiblel machen für dieses kommende oder auch schon unter uns wirkende Reich Gottes. Wenn man diese beide Worte nur hört, dann wird einem ja ganz warm ums Herz", so der Altsimmeringer Pfarrer Christian Maresch in seiner Predigt. Reich Gottes stehe für schön, grandios, wunderbar, Gerechtigkeit, Frieden und echter erfüllter Freude. "Danach sehen wir uns ja alle. Manchmal aber denken wir, es ist alles nur ein schöner Traum, denn die Realität sieht hier auf Erden ja völlig anders aus: Gewalt, Krieg, Terror, Arbeitslosigkeit, Populismus, Hassreden, Spaltung der Gesellschaft. Also wie ist das mit diesem Reich Gottes?", so der Pfarrer. Jesus verwende für Themen, die Menschen nur schwer verstehen können, Gleichnisse und das gelte auch für die Ankündigung des Reich Gottes. Daher heiße es bewusst im Evangelium "mit dem Himmelreich ist es wie...".

Christian Maresch ging in seiner Predigt auf das Gleichnis vom Senfkorn ein und erklärte, dass Jesus sagen will: "Das Reich Gottes ist immer schon da, mitten unter uns, auch wenn man es nicht gleich merkt. Das Himmelreich ist da, klein vielleicht, unscheinbar, kaum zu erkennen und leicht zu übersehen, aber es ist da und es hat eine ungeheure Macht in sich groß zu werden und sich auszubreiten." Und der Pfarrer lieferte seinen Zuhörern eine Begründung warum das so sei: "Denn Gott selber steht dahinter, der Gott, der Gott sein will, mitten in dieser Welt. Jesus möchte uns damit sagen, dass Großes auch klein beginnen kann, kleine Aufbrüche der Liebe und der gegenseitigen Wertschätzung sind oft große Hoffnungszeichen. Kleine Schritte der Versöhnung und das wohlwollende Miteinander kann Großes vollbringen." Und Pfarrer Maresch ermutigte seine Zuhörer:innen, die Pilger:innen des Mariazellervereins: "Machen wir die Augen auf für die viele kleinen Samenkörner in unserem Leben: gute Worte, liebevolle Zuwendung und vergebende Gesten, das alles sind so Samenkörner des Reich Gottes. Dabei muss man feststellen, dass Jesus Realist ist, er weiß, es gibt in dieser Welt Gut und Böse. Vielleicht überwiegt sogar das Unkraut, vielleicht wird sogar mehr Unkraut, mehr üble Nachrede, mehr Hass und Nein, mehr Streit und Gewalt ausgesät in Worten und Taten. Aber Jesus ist dennoch gewiss: Der gute Same, auch das kleinste Korn ist stark genug und selbst in betonharter Umgebung kann ein kleines Samenkorn Großes vollbringen. Der gute Same geht auf und wächst und wird zu einem mächtigen Baum." Die Schlussfolgerung des Altsimmeringer Pfarrers war: "Ja, das heutige Gleichnis im Evangelium ist, so möchte ich es bezeichnen, eine Mutmachergeschichte, eine Vertrauensgeschichte. Das Gute wird immer stärker sein, auch wenn es immer wieder überwuchert und erstickt zu werden droht, das Gute ist stärker, weil Gott dahinter steht."
Viel sei über das Reich Gottes gehört worden, "aber was für ein Thema wäre wohl besser geeignet für so eine Wallfahrt, wie wir sie heute hier in Mariazell veranstalten, als dieses Thema. Sammeln wir Impuls in dieser Zeit, Impulse die uns stärken, die uns Mut machen, die unser Vertrauen stärken. Und dann gehen wir nach Hause und leben unseren Glauben, leben wir nach dem Wort Gottes, ein Wort das uns leben, hoffen und lieben lässt", schließt Pfarrer Maresch seine Predigt.

Den Tag über verbrachten die Pilger:innen in Mariazell, besuchten die Basilika, die Kerzengrotte, hatten Tischgemeinschaften beim Mittagessen und viele Gespräche. Um 17 Uhr kamen die Pilger:innen wieder in der Kirche zusammen um die Abschlussandacht zu feiern. Dieser Gebetszeit stand Regens Richard Tatzreiter vor und hatte die Predigt übernommen. Im Zentrum stand das Wort Mariens, das sie den Dienern bei der Hochzeit zu Kana sagte: "Was er euch sagt, das tut". Dieser Satz fasse zusammen, was das Evangelium uns mitgeben möchte: "Es steht auch hier in Mariazell auf dem Ambo geschrieben, um uns immer wieder zu erinnern, zu tun was Gott von uns will. Nicht immer erkennen wir es gleich, aber wichtig dabei sei auch das Hinhören", so Richard Tatreiter. Er habe die Erfahrung gemacht, dass immer wenn Menschen nicht mehr zuhören oder genau hinhören, dann würde auch das Ergebnis eines Handelns nicht gelingen: "Ich stoße immer wieder an meine eigenen Grenzen, wenn ich merke, dass Menschen nicht zuhören wollen." Regens Tatzreiter betonte als Schlussfolgerung, dass es wichtig sei genau hinzuhören, das bedeute sich bemühen, immer tiefer in diesen Willen Gottes einzudringen, "das steht hinter der Aufforderung. Maria hat es erkannt und uns weitergegeben, denn dieser Satz ist auch an uns gerichtet", so Richard Tatzreiter.
Obmann Johann Kaeshes bedankte sich herzlich bei Pfarrer Christian Maresch, Regens RIchard Tatzreiter, den Diakonen Roman Temper und Franz Schramml, den Ministrant:innen und bei allen Pilger:innen: "denn was wäre ein Vereinsobmann ohne die Wallfahrer:innen. Danke dass ihr mitkommt und wir gemeinsam wallfahren." Nach dem gemeinsamen Gebet, machten sich die Wallfahrer:innen wieder auf den Heimweg nach Wien.
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