Unter den Mitfeiernden waren viele haupt- und ehrenamtlich Engagierte der Erzdiözese, Familienangehörige und Wegbegleiter Grünwidls. Rund 600 Kleriker der Erzdiözese feierten im Dom mit. Zudem ministrierten 150 Jugendliche aus mehr als 30 Pfarren, darunter auch aus Perchtoldsdorf und Kirchberg am Wechsel, früheren Wirkungsorten Grünwidls. Allein der Chor bestand aus 120 Personen. Mitwirkende waren unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Landerer der Wiener Domchor, die Capella St. Stephan, das Vokalensemble St. Stephan, die Choralschola St. Stephan, der Kinderchor der Domsingschule und die Wiener Dombläser sowie eine Band.

Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien. Im Rahmen eines Festgottesdienstes im Stephansdom legte Kardinal Christoph Schönborn seinem Nachfolger an der Spitze der Erzdiözese Wien die Hände auf und weihte ihn zum Bischof. Nachdem dies auch alle anderen anwesenden 28 katholischen Bischöfe getan hatten, erhielt Grünwidl seine bischöflichen Insignien (Mitra, Ring und Bischofsstab) und wurde zu seinem Bischofssitz (Kathedra) geführt, wo er Platz nahm und damit für alle sichtbar die Leitung der Erzdiözese übernahm. Das war um 15.38 Uhr. Die Mitfeiernden quittierten es mit minutenlangem Applaus.
Begleitet von rund 60 Jugendlichen kam der neue Erzbischof am Stephansplatz an und wurde von Blasmusikern aus Perchtoldsdorf und dem Applaus von mehreren Hundert Zaungästen, die keinen Einlass mehr in den Dom gefunden hatten, empfangen. Zum Schlagen der Pummerin betrat Josef Grünwidl kurz vor 14 Uhr den Dom und wurde vom Domkapitel begrüßt. Nach einem Gebet vor der Ikone von Maria Pocs begann der Gottesdienst in der Vierung des Domes, wo Kardinal Schönborn als Weihespender den neuen Erzbischof erwartete und wo die Tauferinnerung stattfand.

Kardinal Schönborn wünschte in seiner Predigt dem neuen Erzbischof ein "hörendes Herz" und die "Gabe der Weisheit und Unterscheidung". Die Bischofsweihe verleihe keine weltliche Regierungsvollmacht und keinen entsprechenden Auftrag, sehr wohl aber den Auftrag, die Gemeinschaft der Gläubigen der Erzdiözese Wien zu leiten.
Der ehemalige Wiener Erzbischof Christoph Schönborn ging mehrmals darauf ein, dass Grünwidl das Amt nicht angestrebt habe. "An einer kirchlichen 'Karriere' hattest du kein Interesse", so der Kardinal in Richtung des neuen Erzbischofs. So habe Josef Grünwidl auch dem Papst durch den Nuntius vorerst ausrichten lassen, dass er zwar zum Dienst des Administrators bereit sei, aber nicht dazu, Erzbischof zu werden. Ein Vierteljahrhundert sei Grünwidl sozusagen "einfacher Pfarrer" mit einem ausgeprägtem "hörenden Herzen" gewesen. "Was ein hörendes Herz für dich bedeutet, das bezeugen so viele Menschen aus den Pfarren, in denen du tätig warst", so der Kardinal. Zwei Jahre lang habe Josef Grünwidl dann als sein Vikar den ganzen Süden der Erzdiözese Wien mitgeleitet, bis Papst Franziskus ihn vor einem Jahr zum Administrator ernannt hat.
Ein hörendes Herz höre auf dreierlei: "auf Gott, auf das eigene Gewissen, auf die Menschen", so der Kardinal. Ihn habe beeindruckt, "wie klar und entschieden du auf dein Gewissen gehört hast. Es hat Nein zum Bischofsamt gesagt. Das hast du auch als Gottes Wort an dich gehört." Josef Grünwidl habe aber auch auf Menschen gehört. Viele hätten ihn gebeten, Ja zu sagen, so er vom Papst ernannt werde. So sei es gekommen, "dass dein klares Nein einer inneren Bereitschaft gewichen ist". Und schließlich habe Josef Grünwidl "aus ganzem Herzen Ja gesagt". Ein Wort von Josef Grünwidl habe ihn beeindruckt, so Kardinal Schönborn: "Gott braucht mich nicht perfekt, sondern verfügbar."
Nach 30 Jahren im bischöflichen Dienst könne er sagen, so Schönborn, dass die Gabe der Unterscheidung bei weitem die wichtigste Gabe in jedem Amt der Leitung sei. "Man nennt diese Gabe auch Weisheit". Und im Blick auf die Schriftlesung des Weihegottesdienstes sagte der Kardinal: "Gott verspricht König Salomon ein 'weises und verständiges Herz'. Und das erbitten wir auch dir, lieber Erzbischof Josef."
Begleitet wurde Grünwidl auf seinem Weg zur Weihe von zwei sogenannten Begleitpriestern, mit denen er persönlich eng verbunden ist. Dies sind sein Priesterfreund Ernst Pankl und sein ehemaliger Spiritual im Priesterseminar, P. Elmar Mitterstieler.
Die eigentliche Weihe begann mit der Anrufung des Heiligen Geistes und der Allerheiligenlitanei. Der zentrale Akt war dann die Handauflegung durch Kardinal Schönborn und die zwei Mitkonsekratoren Erzbischof Lackner und Bischof Pribyl, ergänzt durch alle anwesenden katholischen Bischöfe. Dies erfolgt in Stille zum Klang der Pummerin.
Diakone hielten das Evangeliar über den Kopf des Weihekandidaten, ein Zeichen für seine erste Aufgabe als Verkünder des Evangeliums. Nach der Salbung mit Chrisam erhielt der neue Bischof seine Insignien (Mitra, Ring und Bischofsstab) und wurde zur Kathedra (erhöhter Sitz) geführt. Nach der Amtsübernahme erfolgte der Friedensgruß und danach bekundeten verschiedene Verantwortungsträger aus der Erzdiözese ihre Bereitschaft, mit dem neuen Erzbischof zusammenzuarbeiten. Dazu erklangen im Stephansdom alle drei Orgeln.
In der langen Reihe der Wiener Oberhirten setzt Erzbischof Josef Grünwidl bemerkenswerte Akzente und mehrere kirchengeschichtlich einzigartige Konstellationen haben Überraschendes zutage gebracht. Darüber berichtet die Erzdiözese Wien in einem Beitrag auf ihrer Internetseite kurz vor der Weihe und Amtseinführung von Josef Grünwidl zum 33. Erzbischof von Wien am heutigen Samstag. Augenzwinkerndes Kuriosum am Ende des Beitrags, wo über Grünwidl zu lesen ist: "Und selbst äußerlich schreibt er Geschichte: Als erster seit Fürstbischof Emerich Sinelli (1680-1685) beendet er eine mehr als 340-jährige Phase bartloser Wiener Bischöfe."
Es sind "eindrucksvolle Premieren", die auf der Homepage der größten österreichischen Diözese zu lesen sind: So ist Josef Gründwidl der erste (Erz-)Bischof Wiens, der in seinem frühen priesterlichen Dienst Sekretär des Wiener Erzbischofs war. Er ist zugleich der erste Diözesanadministrator in der Geschichte der Erzdiözese Wien, der schließlich zum Bischof bzw. Erzbischof ernannt wurde - und ebenso der erste Bischofsvikar, der an die Spitze der Erzdiözese berufen wurde. Zudem ist Grünwidl der erste Erzbischof, der aus der konkreten Pfarr- und Jugendseelsorge kommt und mehrere Jahre den Vorsitz des Priesterrates führte.
Musikalisch geprägt steht Grünwidl in einer seltenen Tradition: Seit Georg von Slatkonia, dem ersten in Wien residierenden Bischof, ist er der zweite Musiker auf dem Wiener Bischofsstuhl. Schließlich steht mit ihm erst zum zweiten Mal ein gebürtiger Weinviertler an der Spitze der Erzdiözese Wien.
Wortlaut der Predigt von Kardinal Christoph Schönborn zur Bischofsweihe
Dankesworte von Erzbischofs Josef Grünwidl zur Bischofsweihe
Bilder zur Bischofsweihe (© Markus Göstl)
Wiener Erzbischof: "Mit euch Christ, für euch Bischof"
Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien








