Das Gedenken an Leiden, Tod und Begräbnis Jesu stehen am zweiten Tag des Osterfestes im Blickpunkt. Am stillen Karfreitag, 3. April 2026, kam die Gemeinde von Altsimmering mit Pfarrer Christian Maresch, Diakon Franz Schramml und Ossi Strauss zur Wort-Gottes-Feier zusammen. Getragen von den Texten des Karfreitags, den Lesungen, den Liedern der Gemeinde und vom Chor "Ensemble Altsimmering" unter Leitung von Doris Radlmair feierte die Gemeinde den zweiten Tag des Osterfestes.

Diakonanwärter Ossi Strauss hatte die Predigt an diesem Tag übernommen und stellte den Satz "Der Karfreitag ist ein Tag der großen Liebe" ins Zentrum seiner Ansprache. Am Seitenalter von Renate Stingl seit dem Palmsonntag mit Symbolen begleitet, lag eine Dornenkrone. "Wenn wir mit dem Herzen auf diese Dornenkrone schauen, begegnet uns nicht nur ein Werkzeug der Qual, sondern das Holz der Dornen selbst – ein Holz, das sticht, das wehtut, das verletzt. Und doch wird gerade dieses harte, widerborstige Dornenholz in unserer christlichen Tradition zu einem sprechenden Zeichen. Venantius Fortunatus, ein Dichter des 6. Jahrhunderts, bittet in seinem Hymnus „Heilig Kreuz, du Baum der Treue“ – dasHolz selbst unter der Last der Liebe weich zu werden. Übertragen auf die Dornenkrone heißt das: Auch das Dornenholz, das eigentlich nur verletzen kann, wird im Leid Christi verwandelt – es wird zum Zeugen einer Liebe, die selbst das Härteste weich macht", so der Diakonanwärter Strauss. So würde die Dornenkrone zu einem Baum, der etwas Unerwartetes zeige: "Ein stachliges, widerspenstiges Gewächs, das sich im Angesicht der Liebe neigt – nicht, weil es weich ist, sondern weil Gottes Liebe selbst das Unbeugsame berührt. Also wer mit dem Herzen hinschaut, sieht nicht zuerst Gewalt, sondern Liebe, die niemals aufhört – Liebe, die bleibt, auch wenn es schwer wird", so Ossi Strauss.

Der Alltag würde oft das Gegenteil bringen, denn Menschen gehen, wenn es kompliziert wird. Freundschaften zerbrechen, wenn wir Fehler machen. Beziehungen leiden unter Erwartungen, die niemand erfüllen kann. Viele fühlen sich nur geliebt, wenn sie stark und ‚in Ordnung‘ sind. "Ich denke diese Angst kennen wir alle. Genau hier spricht der Karfreitag hinein. Jesus zeigt: Gottes Liebe hält dich – nicht deine Leistung. Jesus läuft nicht weg. Er bleibt, auch als es schwer wird für ihn. Seine Botschaft am Kreuz 'Es ist vollbracht' bedeutet nichts anderes als: 'Ich liebe dich. Nicht weil du perfekt bist. Sondern weil du in meinem Herzen bist'“, betont Ossi Strauss.

Am Ende der Ansprache ermutigt er alle, die zum Karfreitagsgottesdienst gekommen waren: "Vielleicht trägt heute einer von uns etwas Schweres mit: eine Sorge, eine Schuld, einen Streit oder sogar eine Wunde. Der Karfreitag lädt jeden von uns ein, das vor diese Liebe zu legen – nicht, um bewertet zu werden, sondern um von Gott gehalten zu werden."
Nach der berührenden Kreuzverehrung und dem gemeinsamen Gebet beschloss der Chor die Feier gleich wie er sie begonnen hatte, mit dem Choral "O bone Jesu" von M.A. Ingegneri: "O gütiger Jesus, erbarme dich unser, weil du uns erschaffen hast, hast du uns losgekauft durch dein kostbarstes Blut."







