Mehr als 70 Menschen brachen am Vatertag, dem 14. Juni 2026, morgens auf, um die Tradition des Wallfahrens nach St. Corona aufrecht zu erhalten. Es ist die erste Wallfahrt des Mariazeller Prozessionsvereins, der 2026 das 140jährige Bestehen feiert. "Gerade eine Wallfahrt macht sichtbar, was auch das heutige Evangelium sagt: Jesus sieht die Menschen, ihre Sehnsucht, ihre Mühen und ihre Hoffnung. Er lässt sich von ihrer Not berühren und sendet Menschen aus, damit sie anderen zum Segen werden", so der geistliche Leiter der Wallfahrt, Pavel Povazan, der Pfarrer von Kaiserebersdorf.

Die Wallfahrt stand unter der Bitte "Erneuere deine Kirche – und fange bei mir an". Darauf ging der Pfarrer in seiner Predigt ein, denn "das Thema unserer Wallfahrt passt so gut zu dem Evangelium, das wir gerade gehört haben. Es sind drei Dinge, die mich am heutigen Evangelium angesprochen haben: Die erste Botschaft für uns lautet: Glaube beginnt mit dem Sehen des anderen. Das zweite: Jesus redet nicht nur über die Not, sondern er beruft Menschen konkret, die die Not des anderen lindern. Und das Dritte: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben", nannte Pfarrer Povazan die wesentlichen Punkte an diesem Sonntag.

"Die Wallfahrt von Euch Simmeringern ist immer ein Höhepunkt bei uns, denn die Kirche ist voll und der Gottesdienst ist so schön festlich", hörten die Pilger:innen von Mitgliedern der Gemeinde in St. Corona. Nach dem Pilgersegen und dem Mittagessen fuhren die Wallfahrer:innen weiter zur Filialkirche St. Aegidius in Raach am Hochgebirge. In der Kirche feierten die Wallfahrer eine Andacht zum Thema der Wallfahrt "Erneuere deine Kirche – und fange bei mir an". Nochmals predigte Pfarrer Pavel Povazan und überraschte die Wallfahrer:innen, dass "das heutige Wort aus dem Buch des Propheten Ezechiel eine überraschende Gegenfrage stellt: Bist du bereit, dass Gott bei dir anfängt?"
Die große Erneuerung, die Gott verheiße, beginne nicht mit neuen Strukturen, nicht mit Programmen und nicht mit anderen Menschen. "Sie beginnt im Herzen. Denn so verkündet der Prophet: 'Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch.' (Ez 36,26)", so der Kaiserebersdorfer Pfarrer an die Wallfahrer:innen gerichtet.
"Wir Menschen denken oft: Wenn nur die anderen sich ändern würden, dann wäre alles besser. Wenn nur die Gesellschaft anders wäre. Wenn nur die Politiker anders wären. Wenn nur die Kirche anders wäre. Doch Gott sagt: Das eigentliche Problem sitzt im menschlichen Herzen, weil es zufrieden ist mit dem Mittelmaß. Darum verheißt Gott nicht zuerst neue Gesetze, sondern ein neues Herz", so Pavel Povazan.
Oftmals würde von der Kirche gesprochen, als wäre sie jemand anderes. "Aber die Kirche sind nicht nur Bischöfe, Priester, Diakone oder hauptamtliche Mitarbeiter. Die Kirche sind wir. Das Volk Gottes, Kinder Gottes", zog Pfarrer Povazan den Schluss: "Wenn ich lieblos bin, wird die Kirche ein Stück liebloser. Wenn ich bete, wird die Kirche ein Stück betender. Wenn ich vergebe, wird die Kirche ein Stück barmherziger" und er ermutigte seine aufmerksamen Zuhörer:innen: "Herr, erneuere deine Kirche – und beginne mit mir."
Nach einem kurzen Besuch beim "Sautoni", der Statue des Hl. Antonius des Einsiedlers, der mit einem Schwein dargestellt wird und in Raach besonders verehrt wird und einer guten Jause im Gasthaus Diewald fuhr die gut gelaunte Pilger:innengruppe nach Wien zurück.







