Am Donnerstag, 4. Juni 2026, feierte die Kirche das Fronleichnamsfest, oder wie der ganze Titel lautet, das "Hochfest des Leibes und Blutes Christi", ein Fest das eigentlich den Gründonnerstag, als freudiges Fest in Erinnerung ruft. In der vollen Pfarrkirche St. Laurenz, feierte die Altsimmeringer Pfarrgemeinde das Fronleichnamsfest und mehr als 250 Menschen anschließend die Fronleichnamsprozession. Begleitet hat die Prozession wir jedes Jahr die Schwechater Stadtmusik. "Aber was feiern wir da eigentlich?", stellte Pfarrer Christian Maresch die Frage an seine Gemeinde. "Wir gehen heute mit unserem Glauben hinaus in eine Welt die sich gerade im religiösen Bereich in den letzten jähren total verändert hat, denn die neuesten Kirchenumfragen zeigen ganz deutlich, dass Kirchen nicht nur immer weniger Mitglieder haben, sondern diese Umfragen zeigen auch auf, dass immer weniger Menschen an Gott glauben", zeichnete der Pfarrer ein ernüchterndes Bild. Dazu zitierte er den Atheisten Friedrich Nietzsche, der Ende des 19. Jahrhunderts vom Tod Gottes gesprochen habe, "der eine nur schwer zu ertragende Lücke hinterlässt: 'Wohin ist Gott?' lässt Nietzsche den tollen Menschen ausrufen, der am hellen Vormittag eine Laterne anzündete auf den Markt lief und laut und unaufhörlich schrie 'ich suche Gott'", so der Altsimmeringer Pfarrer.
Heute dagegen sei ein unbemerktes Fehlen Gottes festzustellen, denn viele Menschen scheine das Fehlen Gottes nicht mehr zu stören. "Es gibt ein neues Buch, das ich nur empfehlen kann, zu diesem Thema 'Wenn nichts fehlt-wenn Gott fehlt' von Jan Joffeld. Dieses Buch hat eine heftige Diskussion ausgelöst, denn in unserer modernen Gesellschaft fehlt Gott nicht mehr, es ist eher kein Interesse mehr festzustellen. Das Gottfehlen wird nicht – so wie bei Nietzsche - als Mangel empfunden, es ist einfach allen völlig egal", so der Pfarrer in seiner Predigt. Man könne die Frage stellen ob Gottvergessenheit eine Erscheinung unserer Zeit sei.
„Können wir mit der heutigen Demonstration, der Fronleichnamsprozession, diese Gottvergessenheit unserer Zeit aufhalten?“, fragte Pfarrer Maresch, zeigte sich ernüchtert und stellte fest: „Mit der heutigen Prozession sicherlich nicht. Aber es stellt sich dann die berechtigte Frage: Wozu das Ganze? Ist es nur Folklore, nur ein Fest für uns, um einen schönen Tag zu verbringen und zu erleben?“
Nein, es sei eine Demonstration, denn „mit dieser heutigen Fronleichnamsprozession auf unseren Straßen in Simmering bekunden wir Christen und Christinnen unsere Überzeugung, dass Gott selber seine Fußspuren auf den Straßen unserer Städte und Dörfer hinterlassen hat. Damit bezeugen wir, dass Gott überall dort gegenwärtig ist und sein will, wo Menschen gehen, leben und wohnen“, betont der Pfarrer den Sinn dieses Festes in der heutigen Zeit. „Die Eucharistie, die wir Christen und Christinnen in der Monstranz mittragen, ist zuallererst dazu da, dass sie uns Menschen zur Speise gegeben wird. Darum feiern wir bei der Liturgie am Fronleichnamstag vor der Prozession die heilige Messe. Aber Fronleichnam ist auch das Fest der Brotvermehrung. Und so können wir heute an diesem 4. Juni, mitten unter der Woche, mit erhobenem Haupt mit Jesus Christus in der Mitte in Gemeinschaft durch Simmering ziehen, unseren Glauben feiern und unsere Gemeinschaft pflegen. Dabei tragen wir alle Jesus Christus in unserem Herzen und werden so auch alle zu lebendigen Monstranzen, die das heilige Brot in sich tragen“, betonte Pfarrer Christian Maresch.






