Am Gründonnerstagabend, 2. April 2026, kamen die Menschen in der Pfarrkirche ST. Laurenz zusammen, um gemeinsam mit Pfarrer Christian Maresch und Diakon Franz Schramml den Ostergottesdienst, der sich über drei Tage erstreckt, zu beginnen. Das Hauptthema des Gründonnerstags ist die Einsetzung der Eucharistie und die Fußwaschung, die von Renate Stingl am Seitenaltar symbolhaft dargestellt wurde mit einem Teller mit Brot, einem Kech und zwei biblischen Erzählfiguren, Jesus, der Petrus die Füße waschen will und dazu dessen Schuhbänder löst.
In seiner Predigt ging Diakon Franz Schramml auf die biblischen Themen ein, die an diesem Tag vorgetragen wurden.

Das Letzte Abendmahl sei ein Fest der Befreiung, das das große Ostergeschehen einleite, bei dem Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung die Menschen befreit und erlöst habe, so der Diakon. "Die Parallelen zwischen den Berichten über das Paschafest und das Letzte Abendmahl sind unübersehbar: Die Nacht der heraufziehenden Angst. Dabei so glaube ich, ist unser Gott nicht nur ein 'lieber Gott', wie wir es manchmal gerne unseren Kindern und Enkelkindern sagen, sondern einer, der einem jeden von uns immer wieder ganz schön viel zumutet, an Not, Enttäuschung und Verzweiflung. Wer von uns hat nicht schon manchmal an Gott auch gezweifelt, wenn er oder sie in seinem Leben einmal ganz am Boden zerstört gewesen ist? Genau wie die Juden nach der Befreiung gehen auch wir oft einen harten Weg durch die Wüste, genau wie Jesus am Ölberg kennen auch wir Angstsituationen in unserem Leben", predigt Diakon Schramml, der dabei auch nicht die Krisen der vergangenen Jahre ausnimmt wie Corona, Ukrainekrieg und den Angriff Israels und Amerikas auf den Iran. All das bringe Konsequenzen für Europa mit sich, die Energiekrise, Teuerung, Inflation und mehr oder weniger eine gewisse Hoffnungslosigkeit.
"Gerade in den Zeiten, da es uns schlecht geht, in den Zeiten der Wüsten-, der Ölbergsituationen unseres Lebens, gerade da ist aber Gott bei uns und gibt uns Kraft diese Krisen unseres Lebens zu schaffen, uns im Durchgehen durch diese Leidenssituationen, daraus zu befreien, denn Gott will nicht, dass wir sagen 'man lebt halt' oder 'es geht so', er will, dass wir letztendlich das 'Leben in Fülle haben'", betont Diakon Franz Schramml.

Am Gründonnerstag feiere die Kirche die Einsetzung der Eucharistie, des Gedächtnisses daran, dass Jesus sich selbst hingegeben hat. "Wir feiern Abendmahl und Fußwaschung – beide gehören zusammen. Es ist dies die Aufforderung Jesu: unser Glaube und unser Leben gehören zusammen", so der Diakon, der in seiner Predigt auch auf die Symbolszenen eingeht: "Renate Stingl hat das sehr schön durch das Stellen der biblischen Figuren am Seitenaltar künstlerisch ausgedrückt. Auf der einen Seite die Schale mit Brot und Wein und auf der anderen Seite die Fußwaschung. Beides gehört zusammen sowie Gottes- und Nächstenliebe. Mann bzw. Frau kann nicht Gott lieben und nichts für seine Mitmenschen übrig haben. Genauso wenig ist, sich nur für andere Menschen einzusetzen und keine Beziehung zu Gott zu haben für einen Christen/eine Christin zu wenig. Ich kann als Christ nicht trennen zwischen dem Christsein am Sonntag im Feiern der Heiligen Messe und dem Christsein im restlichen Leben. Besonders im Alltag in der Familie, im Beruf, sowie im gesellschaftlichen und politischen Leben soll sich mein christlicher Anspruch zeigen. Beides gehört zusammen, Eucharistie und Fußwaschung, die Hl. Messe am Sonntag und das Engagement für unsere nächsten Mitmenschen, denn unser Glaube soll in unserem Leben sichtbar werden."
Jesus habe das radikal durch die Fußwaschung vorgelebt. Und nicht einmal Petrus habe das Symbol der Fußwaschung zuerst verstanden. Denn Jesus rede nicht nur von der Liebe, vom Dienen, "sondern er tut etwas ganz Konkretes, etwas Alltägliches. Er wäscht seinen besten Freunden die Füße. Sein Leben war seine Botschaft. Einer von seinen 12 besten Freunden, Judas Iskarioth, hat beschlossen, Jesus zu verraten und auszuliefern, mit einem Zeichen der geschwisterlichen Gemeinde, mit dem Bruderkuss. Trotzdem wäscht Jesus allen Zwölf, auch dem Verräter Judas die Füße", so der Diakon, der auch auf das große Engagement der Altsimmeringer Pfarre für andere eingeht: "Wir Altsimmeringer:innen tun in diesem Sinne viel für Menschen denen es nicht so gut geht: für Sozial Schwache, für die Menschen in den Pflegeheimen, Obdachlose, Flüchtlinge, Ukrainerinnen, Menschen in Madagaskar, Alkoholiker, und einiges mehr. Bei der Beschäftigung mit dem Begriff 'Letztes Abendmahl', ist mir der Begriff 'Letztes Altsimmeringer Nachtmahl' nicht aus dem Kopf gegangen. Das Team um Gerti Dolecek und Maria Zahnt hat 23 Jahre lang fast jeden Dienstag für arme und obdachlose Menschen gekocht. Eine großartige nachhaltige Leistung. Für diese 23-jährige „Fußwaschen“ herzlichen Dank an Gerti und Maria und den vielen fleißigen Helfern und Helferinnen. Doch den engagiertesten Christen, in diesem Fall eher Christinnen geht einmal die Luft aus. So wird dieses Team mit Ende April ihre Arbeit aus gesundheitlichen Gründen und mangelnden personellen Ressourcen beenden", so der Diakon, der gleichzeitig um neue Mitarbeiter:innen für das Altsimmeringer Nachtmahl wirbt: Einige Personen des Altsimmeringer Caritasteams bemühen sich im Mai und Juni das Abendessen für unsere jahrelangen Gäste mit neuen frischeren Köchen und Köchinnen sicher zu stellen. Ob bis zum Herbst daraus ein arbeitsfähiges Team entstanden sein wird oder ob es wirklich bald das 'Letzte Altsimmeringer Abendmahl' geben wird, wird sich weisen. Auf jeden Fall, wer dem entgegenwirken will und gerne an den Mai und Juni - Dienstagen Zeit und Kraft hat mitzukochen, soll sich bitte melden."







