Josef Grünwidl stellte die Reflexion des hl. Augustinus über das Bischofsamt als sein eigenes vor: "Wenn das, was ich für euch bin, mich erschreckt, gibt mir das, was ich mit euch bin, Zuversicht. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ."
Er gehe dem Tag der Weihe am Samstag in großer Dankbarkeit und mit Freude und Hoffnung entgegen, so Josef Grünwidl. Sein Bild über Kirche sei nicht von Problemen und Defiziten bestimmt, "sondern über die biblische Verheißung. Und die besagt: Wir sind Volk Gottes. Auch wenn sich die vertraute Gestalt der Kirchen gerade dramatisch ändert, wird es mit unserer Kirche gut weitergehen." Die Grundbotschaft der Kirchen laute: "Mensch, du bist geliebt, und aus dieser Zusage heraus kannst auch du Liebe weiterschenken und die Welt verändern." Diese Botschaft zu den Menschen zu bringen, sei der Auftrag der Kirche "und dazu möchte ich als neuer Erzbischof in Wien auch meinen Beitrag leisten", erklärt Josef Grünwidl.
Positiv zu Frauenweihe
Auch zu den "heißen Eisen" Zölibat und Weiheamt für Frauen nahm Josef Grünwidl Stellung. Er sei dafür, den Priestern den Zölibat freizustellen. Die Beispiele von verheirateten Priestern in Geschwisterkirche und auch in den katholischen Ostkirchen zeigten, dass dies möglich sei "und hier sollten wir überlegen, ob es hier eine Änderung geben kann", so der neue Erzbischof. Und auch bei der Öffnung des Diakonats für Frauen ist Josef Grünwidl positiv gegenüber: "Das wird zurzeit weltkirchlich auch theologisch heftig diskutiert und ich hoffe, dass es hier Änderungen gibt." Die zentrale Frage der Kirche sei aber vielmehr: "Wie können wir die Botschaft vom biblischen Gott heute glaubwürdig den Menschen vermitteln?"
Der Hirtenstab ist das Symbol des Schutzes, des Stützens und des Sammelns. Josef Grünwidl verwendet einen schlichten hölzernen Stab mit silberner Krümme, ein Werk des Seckauer Goldschmieds Br. Bernward Schmid (1920-2010). Der Stab gehörte einst Weihbischof Helmut Krätzl (1931-2023), dessen Zeremoniär Grünwidl war. Er wurde auch von Kardinal Franz König und Weihbischof Florian Kuntner verwendet. Alle drei Bischöfe stehen für die Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Wiener Erzdiözese "und haben mich in meiner Jugend sehr geprägt", wie Josef Grünwidl bekannte.
Konzilsring, Brustkreuz und Mitra
Der Bischofsring, der dem Bischof bei seiner Weihe angesteckt wird, steht für Bindung und Treue. Der neue Wiener Erzbischof entschied sich für eine silberne Nachbildung des ursprünglich goldenen Konzilsrings, den Papst Paul VI. den Vätern des Zweiten Vatikanischen Konzils schenkte. Der schlichte und einfache Konzilsring, zeigt Christus sowie die Apostelfürsten Petrus und Paulus und steht für Gemeinschaft und ein synodales Amtsverständnis.
Die Mitra wurde neu angefertigt und zeigt schlichte Wellenlinien die sieben Flammen formen als Zeichen für die sieben Gaben des Heiligen Geistes : Die werde ich sicher brauchen als Erzbischof von Wien", so Josef Grünwidl.
Das Brustkreuz verweist auf die besondere Zugehörigkeit des Bischofs zu Christus. Josef Grünwidl wird eine Kopie des silbernen Kreuzes von Papst Franziskus tragen, das Christus als Guten Hirten zeigt.

Grünwidl hat als Wahlspruch "Melodiam Dei recipite" ("Nehmt Gottes Melodie in euch auf") gewählt, den er bereits im Vorfeld seiner Weihe als geistliche Orientierung benannt hatte.
Das Wappen des Erzbischofs ist mit mehreren symbolischen Elementen gestaltet: Über dem Wappenschild befindet sich der traditionelle Klerushut mit je vier grünen Quastenreihen an den Seiten. Hinter dem Schild ist das erzbischöfliche Kreuz mit zwei Querbalken angeordnet. Auf dem Schild selbst ist zweimal das Wappen der Erzdiözese Wien zu sehen, sowie das Wappen von Josef Grünwidls Geburtsort Wullersdorf. Im vierten Feld des Wappens sind fünf Orgelpfeifen abgebildet - für Grünwidl nicht nur als Zeichen seiner Verbundenheit mit der Kirchenmusik und Ausdruck seines Wahlspruchs ("Nehmt Gottes Melodie in euch auf"). "Eine Orgel mit ihren vielen unterschiedlichen Pfeifen, den großen und kleinen, den sichtbaren und unsichtbaren, symbolisiert für mich die Kirche in ihrer Vielfalt und Einheit." So wie die Orgel den Wind brauche, um zu erklingen, brauche die Kirche das Wehen des Geistes, so der künftige Wiener Erzbischof.
Zur Weihe vom Wiener Erzbischof Josef Grünwild werden sowohl die Pummerin und alle Glocken in den Kirchen der Erzdiözese Wien läuten. Mehr als 3.000 Menschen sind im Dom zugelassen neben der politischen Vertreter unseres Landes und vielen Vertretern der anderen christlichen Kirchen. Die Bischofsweihe erfolgt durch Kardinal Christoph Schönborn gemeinsam mit dem Salzburger Erzbischof und Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Franz Lackner, sowie Stanislav Pribyl, Bischof von Leitmeritz/Litomerice.
In ORF 2 können alle die Feier live mitfeiern, die Übertragung beginnt bereits um 13.20 Uhr.
Hier finden Sie die ORF-Dokumentation über den neuen Erzbischof Josef Grünwidl








